Gökçen Dilek Acay – Böse in Mir/Dir

Vernissage 23.10.2020 um 19 Uhr / Dauer 24.10. – 21.11.2020 / Ort EIGENHEIM Weimar, Asbachstraße 1 (Gärtnerhaus im Weimarhallenpark), 99423 Weimar / Rahmenprogramm 23.10. um 19:30h – Konzert mit Ayşe Kurultay (Gitarre), Josephine Prkno (Trompete), Stephen Nolan (Gitarre) und Gökçen Dilek Acay (Violine) / 30.10. ab 19:30h – Stickabend / 06.11. ab 14h bis 22h – Fotogram Workshop / 19.11. um 20.00h – Jam Session Music Abend

Gökçen Dilek Acay diskutiert in ihrer Arbeit Konzepte der Unterdrückung, Macht und den zerstörerischen Aspekten des Menschen. Acay verwendet verschiedene Symbole um den Kontrast und den gegenseitigen Einfluss zwischen dem tierischen im Menschen und dem menschlichen im Tier zu zeigen. Macht ist ein Spiegelbild der modernen Gesellschaft und der politischen Struktur des Rohen und Instinktiven. Der moderne Mensch besteht nach Acay aus Widersprüchen. In ihrer Arbeit versuche sie, diese Wildheit und die Gewalt gegen weniger begünstigte Wesen sowie gegen den objektivierten und missbrauchten Körper herauszuarbeiten und darzustellen. Nach Acay sucht der Mensch ständig ein ideales Bild von sich selbst. Grundlegender Aspekt ihrer Arbeit ist die Suche nach einem idealen Menschenbild auf einer transkulturellen Ebene. Aus dieser Grundidee heraus entstehen die erweiterten Kontexte ihres vielseitigen Schaffens.

Gökçen Dilek Acay arbeitet in unterschiedlichsten Medien. Mal mit Textilien und Stickerei, mal in Form umfangreicher mehrkanal Videoinstallationen, 3D Druck oder Ton, Fotografie und Sound, Installation und Objekt. Dabei stellt die Künstlerin eine Verbindung zwischen Realität und Imagination her, indem sie Objekte, Bilder, verschiedenste Materialien bis hin zu Elementen aus dem Bereich des Theaters, Tanzes oder Kinematografischen, transformiert, neu zusammensetzt und so den Gegenstand seiner ursprünglichen Funktionalität beraubt. Durch die dadurch entstehende Verformung und paradoxe Konstruktion schafft Acay fiktive Bilder mit alternativer Bedeutung, möchte unsere Realität aufbrechen und die Absurdität um uns herum aufzeigen.

Herausragend dabei ist die inhaltliche Stringenz, welche sich in einer politischen Kultur und Haltung verorten lässt. Bei genauerer Betrachtung einzelner Werke werden Stellungsnahmen gegenüber dem globalpolitischen Geschehen deutig. Sei es ein auf Handzeichen beruhendes Alphabet, mitsamt Manifest und Video, für einen stillen Protest während der Unruhen im Gezipark in Istanbul, oder die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft hinterfragende Performances wie Barking Dog oder forms of protest.

Gökçen Dilek Acay und EIGENHEIM Weimar/Berlin arbeiten seit 2015 regelmäsig in verschiedenen Ausstellungen und Projekten zusammen. Im Jahr 2020 erscheint bei EIGENHEIM Weimar/Berlin eine Fotoedition mit Motiven, welche während Acays aufenthalt beim Taipai Artist Village Residency entstanden sind. Diese sind inspiriert durch die Philosophie und Theatralik des japanischen Butohtanz. Die Edition ist in einer Auflage von 10 + 1AP mit 15 Motiven in einer leinengebundenen Editionsbox im Format A3 erschienen. Die Edition kann auf der Webseite der Galerie eingesehen werden.

BIOGRAFIE
Gökcen Dilek Acay, geboren 1983 in Istanbul. Musikerin und Künstlerin. Studierte Musik im Hauptfach Violine an der Technischen Universität Yildiz (Istanbul) und an der Bauhaus-Universität Weimar, Master of Fine Arts. Acay arbeitet international mit Tänzern, Musikern und bildenden Künstlern zusammen. Sie war Performerin am Watermill Center, Projekt entwickelt für Robert Wilson 2013. Acay erhielt 3. Mansion Preis für 'Junge Generation türkischer Künstler', gestiftet von der Maçka Kunstgalerie und der Sainte Pulchérie Highschool, Istanbul 2015. Acay nahm an der Biennale Junger Künstler aus Europa und dem Mittelmeerraum (BJCEM) in Mailand 2015 teil. Sie war Künstlerin in Residency in der Cite des Arts Paris 2015 und im Yarat Artist Program in Baku 2016. Sie wurde zum DIALOGFELDER-Programm in Chemnitz 2018 eingeladen. Acay nahm am Artist Residency Program im Taipei Artist Village 2020 teil. Im selben Jahr lud sie zur Bauhaus100 Edition ein, die in der Galerie Eigenheim Berlin und auf der Positions Berlin Art Fair präsentiert wurde. Sie lud zum Künstlerprogramm Factory of Contemporary Arts in Palbok (FoCA), Südkorea 2021 ein. Sie arbeitet als unabhängige Künstlerin im Rahmen von AIR Programmen und unabhängigen Projekten.