SEE YOU THERE – Adam Noack lädt ein – Teil 2

Eröffnung 22.02.2020, 19 Uhr mit Livemusik von Paul Teschner / Dauer 22.02. – 28.03.2020 / Künstler_innen Tom Ackermann, Anna Bittersohl, Sabine Graf, Olga Grigorjewa, Sebastian Hosu, Anna M. Kempe, Philipp Kummer, Henrike Pilz, Barbara Proschak, Sabine Rak, Yuko Takatsudo, Christiane Wachter / Programm 13.03.2020 um 19 Uhr Künstlerabend mit Adam Noack und Gästen

Seit 3 Jahren lebt und arbeitet Adam Noack in Leipzig – viele neue Bekanntschaften wurden entwickelt, neue Künstlerkontakte erschlossen und Atelierbesuche unternommen. Diesem Umstand möchte EIGENHEIM Weimar/Berlin ein Forum geben und zeigt mit dieser Ausstellung eine, von Adam Noack getroffene, Auswahl verschiedener Künstler_innen. Anknüpfend an die Ausstellung, I remember you well – Adam Noack lädt ein, aus dem Jahr 2017 entwickeln wir mit der Form eine kleine Tradition. Denn auch für uns ist es spannend mit neuen Entdeckungen wie Olga Grigorjewa, Henrike Pilz, Sabine Rak, Sabine Graf, Yuko Takatsudo oder Christiane Wachter zusammen zu arbeiten und diese im Dialog mit uns gut bekannten Künstlern wie Tom Ackermann, Phillip Kummer oder Anna Bittersohl zu diskutieren. So kommt es dazu das die feinen Aquarelle mit Motiven aus scheinbar intimen privaten Momenten von Anna M. Kempe, einer Überraschung ähnlich, direkt neben der durch starken Duktus und gestische Bewegung charakterisierten Malerei von Sebastian Hosu hängen. Die von Adam Noack in Vorbereitung auf die Ausstellung unternommenen Atelierbesuche hat er notizenhaft festgehalten, um damit ein noch näheres Bild der Persönlichkeit hinter den Arbeiten zu zeichnen. Diese Notizen möchten wir hier unverändert wiedergeben:

Atelierbesuch, nach Längerem, bei Tom Ackermann. Er erzählt mir von einer Geschichte, die er mit seinen Zeichnungen thematisch durchdenkt. Ohne weiteres Nachfragen bleibt alles unklar und es tut sich ein Kosmos auf,so dass ein weiterer Atelierbesuch unabdingbar wird. Im Gespräch über die Ausstellung hat Tom Ackermann gleich die richtigen Zutaten parat. Und es gab eine Liste.
Der erste Besuch führt zu Barbara Proschak. Man sieht ein Archiv und Fotostudio, wenn man in ihr Atelier kommt. HighEnd. Stillleben, Details, eigentlich. Der Körper wird auf beunruhigend schöne Art und Weise zur Skulptur. Ein Schmetterling hängt an der Wand. Halbe Stunde zu spät, trotzdem heißer Kaffee. Nicht der erste Besuch in den nebeneinander gelegenen Ateliers von Anna Bittersohl und Philipp Kummer. Angefangen hat alles in der Galerie Greulichin Frankfurt. Einigkeit. Die beiden nebeneinander in der Spinnerei. Der Baumwollspinnerei Leipzig. Eine rauchen am gekippten Fenster. Man unterhält sich erstmal über alte Geschichten zum Duft von Ölmalerei,umgeben von aktiv stattfindender Malerei. Phillipp hat jetzt einen Transporter – den können wir nehmen. Wir unterhalten uns glücklich über die Mitstreiterinnen und Streiter.
Zu Besuch im Wohn- und Arbeitsraum von Sabine Rak. Sie ist müde, gerade zurück von ihrer Ausstellung in Nürnberg. Hier ist alles an seinem Platz, alles umgeben von Malerei. Aufgeräumt und organisiert, nicht angestrengt minimalistisch, sondern locker. Der Blick aus dem Fenster fällt auf das sich so sehr entwickelnde Lindenau. Während mansich unterhält, quietscht draußen die längste Straßenbahn der Welt. Die Malereien sorgfältig eingepackt in Seidenpapier und Knallfolie im Lager unter der Flurdecke einsortiert, holt sie mit der Leiter herunter. Gespräch über Geheimnis im Raum, des Raums. Durch Entfernung von den Bildern werden sie immer kompletter. Wenn man nah dran steht, sieht man pure Malerei, reduziert auf Pinselstriche. Je weiter man weg geht, desto mehr wird es Motiv. Anna Kempe und Sabine Graf bilden eine Ateliergemeinschaft. Anna Kempes sehr feine Aquarellformate von Menschen, entstehen aus der Erinnerung. Sie scheinen ganz subtil Zwischenmenschliches aufzufangen. Die Psychologie der Charaktere bekommt einen Raum - schwingt im Raum. Zwei kleine Metallspitzen unter der Unterlippe. Ein Blick aus dem Fenster,endlos erscheinende Industriebrachen. Sabine Grafs Arbeitsfläche ist der Tisch. Die Zeichnungen sind Feinstarbeit, zeugen von stundenlanger Konzentration. Rückstände der vielmals angespitzten Bleistifte in einer Schachtel. Bei einem Kaffee unterhält man sich über Organisatorisches und weitergeht’s zu,-
Henrike Pilz. In ehemaligen Werkshallen, durch Rigipswände voneinander abgetrennt, Raum an Raum. Gemütlich, der Ofen brennt. Von oben ertönt eine Kreissäge und Gehämmer aus einer Werkstatt, von unten vibrieren Bässe aus den Proberäumen. Unter allem, in diesem „Westwerk“, ein Konsum, der viele Arbeitsräume abgelöst hat. Im Atelier, wohin man auch schaut, Materialerforschung. In Henrikes Bildern erhalten Farbflecke die Möglichkeit bedeutsam genug zu sein. Bedeutung von etwas Unbedeutsamen. So, dass ein roter Strich in Erinnerung bleiben kann. Im Gespräch über die Ausstellung und die Idee, Arbeiten im Raum auszustellen, bringt Henrike Olga ins Spiel. Olga Grigorjewa mit ihrem gerade geborenen Nachwuchs treffe ich am nächsten Tag. Das inspirierende, großräumige Atelier beherbergt auch Lagerraum und Couchecke. Ich halte mich am Seil der Schaukel fest, die mitten im Raumhängt. Wir befreien die fragil erscheinenden Skulpturen aus Pappe und Knallfolie. Fu-Faltung, robust, aus Messing gegossen.
Sebastian Hosu treffe ich in der allgemein bekannten Spinnerei im Leipziger Westen an. Ein paar seiner meist sehr großformatigen Farbschlachten hat er bereits im Flur zur Ansicht bereitgestellt. Die Zeit ist knapp. Sebastian muss weiter nach Paris, aber wir einigen uns über die auszustellende Arbeit sehr schnell. Wir freuen uns, dass es so kurzfristig klappt und tragen das Bild kurzerhand rüber zu Anna Bittersohl ins Atelier. Auf dem Rückweg in mein Atelier, ein Telefonat mit Christiane Wachter. Ihre feinen Collagen, so einigen wir uns, bringt sie mir in zwei Tagen vorbei.       
Am Computer, E-Mailausstausch mit Yuko Takatsudo aus Berlin, die gleich ein paar gute Ideen hat, wie wir ihre kleinen Porzellanarbeiten in der Galerie platzieren können. Was ist ein Atelier? Im Atelier sind die Künstler nah an ihrem Gefühl. Wie fühlt sich das an, wenn die Arbeit auf Reisen geht? Kann man die Arbeit in einer Ausstellungssituation genug huldigen? Eins ist klar, das was dahinter steckt, ist so viel.