Weimar

14.08.2026 - 06.09.2026
HUMOR ALS WAFFE
Humor als künstlerische Strategie zwischen Kritik, Widerstand und Selbstermächtigung 

Ort EIGENHEIM Weimar, Asbachstraße 1, 99423 Weimar Ausstellungsdauer 15.08. bis 6.9.2026 Vernissage 14.08.2026, 19 Uhr, Konzert von S.A.U. ab 21 Uhr Öffnungszeiten Di.- Sa., 14 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung Programm CRINGE FEST Vol. 3: 2–5 September 2026 Performances, Theater, Konzerte und künstlerische Interventionen - Line Up siehe Cringe Fest 

beteiligte Künstler:innen
ANGST YOK, Gökçen Dilek Acay, Dominika Bednarsky, Jana Borsche, Benedikt Braun, Timm Burkhardt, Cem A. (freeze_magazine), Guerrilla Girls, Ottmar Hörl, Philipp Kummer, Elisabeth Liselotte Kraus, Tommy Neuwirth, Riss (Charlie Hebdo), Gabriele Stötzer und Künstlerinnengruppe Erfurt, Marcel Walldorf und Erwin Wurm.

Informationen

Waffen verletzen. Humor verfolgt eine andere Logik. Seine Mittel sind Ironie, Satire, Übertreibung, Parodie und Absurdität. Er entzieht Autoritäten ihre Unantastbarkeit, verschiebt Perspektiven und eröffnet neue Möglichkeiten des Sehens. In diesem Sinne versteht die Ausstellung den Begriff der Waffe nicht als Instrument der Gewalt, sondern als Metapher für eine künstlerische Praxis, die Machtverhältnisse hinterfragt, Gewissheiten ins Wanken bringt und neue Perspektiven eröffnet.

In Zeiten von Krisen, gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender Unsicherheit entfaltet Humor eine besondere politische und kulturelle Kraft. Ob Karikaturen in Tageszeitungen, Satire im Fernsehen, Memes in sozialen Medien, Comics oder groteske Filmkomödien – Humor begleitet gesellschaftliche Auseinandersetzungen seit Jahrhunderten. Er kommentiert politische Entwicklungen, legt Widersprüche offen, entlarvt Ideologien und schafft Distanz zum scheinbar Unverrückbaren. Zugleich verbindet gemeinsames Lachen Menschen über politische und soziale Grenzen hinweg, kann Solidarität stiften, provozieren oder verletzen und löst immer wieder Debatten über die Grenzen von Meinungs- und Kunstfreiheit aus.

Die Ausstellung „Humor als Waffe“ untersucht diese Ambivalenz. Im Rahmen des Kunstfests Weimar und eingebettet in das Jahresprogramm „The Bright Side – Die Macht der Zuversicht“ versammelt sie historische und zeitgenössische Positionen, die Humor als künstlerische Strategie einsetzen. Karikatur, Film, Performance, Skulptur, Malerei, Graphic Novel & Comic, Installation, Plakat und digitale Bildkultur zeigen, wie vielfältig das Komische in der Kunst wirken kann – als Mittel der Kritik, des Widerstands, der Selbstermächtigung oder der Irritation. Gerade die Kunst bietet den Freiraum, Humor in all seiner Ambivalenz auszuloten. Sie kann provozieren, irritieren, verletzen oder befreien – und eröffnet damit einen Raum, in dem gesellschaftliche Gewissheiten verhandelbar werden.

Mit Originalausgaben des sozialdemokratischen Satireblatts Der Wahre Jacob und des Simplicissimus schlägt die Ausstellung den Bogen zum Deutschen Kaiserreich um 1900. Als wichtige Foren öffentlicher Debatten griffen beide Zeitschriften Militarismus, Autoritätsgläubigkeit und soziale Missstände mit Karikatur und Bildwitz auf. An diese Tradition knüpfen die zeitgenössischen Positionen auf unterschiedliche Weise an: Das Titelblatt von Riss für Charlie Hebdo entstand zehn Jahre nach dem Terroranschlag auf die Redaktion in Paris, der Super-8-Film „Komik – komisch“ von Gabriele Stötzer und der Künstlerinnengruppe Erfurt dokumentiert performative Strategien unabhängiger Künstlerinnen in der DDR, und die Guerrilla Girls machen seit den 1980er Jahren mit satirischen Plakaten Geschlechterungleichheiten und Machtstrukturen im Kunstbetrieb sichtbar.

Die anonyme Kunstgruppe ANGST YOK kommentiert mit Plakaten gesellschaftliche Reizthemen wie Aufrüstung und Wehrpflicht. Die Arbeit „Kann nicht Krieg habe Knie“ begegnet der Debatte um das Wehrdienstmodernisierungsgesetz von 2025 mit lakonischem Humor. Cem A. zeigt mit einer schusssicheren Weste, auf der statt „Press“ „Art Critic“ steht, wie nah sich Kunst, Kritik und Bedrohung kommen können. Mit einer Seife in Gurkenform greift Erwin Wurm die zum Symbol europäischer Bürokratie gewordene EU-Gurkennorm auf und verbindet sie mit der ironischen Hoffnung, die Krisen der Gegenwart einfach wegwaschen zu können. Ottmar Hörl übersetzt den Schlagabtausch zwischen Donald Trump und Kim Jong-un in Ping & Pong in ein Tischtennisspiel und verweist auf die historische Ping-Pong-Diplomatie. Marcel Walldorf zeigt in „The Message“ ein Katzenklo, in dessen Streu der Schriftzug „HELP“ erscheint – als lakonisch-komischer Hilferuf zwischen Alltagsobjekt und gesellschaftlichem Kommentar.

Dominika Bednarsky
verbindet Hackfleisch mit Symbolen von Liebe, Häuslichkeit und Festlichkeit und verschiebt so vertraute Bildwelten ins Absurde. Benedikt Braun greift mit NSU Paulchen die vom NSU missbrauchte Figur des Paulchen Panther auf und macht mit bitterem Humor rechtsextreme Propaganda sichtbar. Gemeinsam mit Beatrix Hepting verbindet Timm Burkhardt eine Kerze in Form der Herzogin Anna Amalia Bibliothek mit Souvenirkultur und bewegt sich mit schwärzestem Humor zwischen Gedenken und Ironie. Jana Borsche entwickelt eine Bildsprache zwischen Punk, Groteske und Humor. Mit Zeichnung, Objekt und Performance hinterfragt sie Körperbilder, Geschlechterrollen und Identität. Zur Vernissage tritt sie mit Andreas Grahl als Punk-Duo S.A.U. auf. Gökçen Dilek Acay begegnet politischer Macht mit Performance, Film und Stickerei. Recep Tayyip Erdoğan antwortet sie mit performativer Ironie, Wladimir Putin zeigt sie in Bärenhausschuhen. Elisabeth Liselotte Kraus verfremdet in „#Mood / Uta von Naumburg“ eine von Rechtsextremen vereinnahmte Ikone mithilfe künstlicher Intelligenz zu einem ironischen Gegenbild. Philipp Kummer entwirft eine poetisch-groteske Bildwelt, in der Malerei, Skulptur, Mensch, Tier und Mythos aufeinandertreffen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine vom Verlag Edition Moderne kuratierte Auswahl internationaler Comics und Graphic Novels, die zeigt, wie gezeichnete Erzählungen gesellschaftliche Entwicklungen mit Humor, erzählerischer Präzision und kritischer Schärfe reflektieren. Während der gesamten Ausstellungsdauer erweitert Tommy Neuwirth die Ausstellung um eine Reihe unangekündigter Interventionen im Weimarer Stadtraum. Seine Texte führen hinaus aus dem Galerieraum und hinein in den Alltag – auf Straßen, Plätzen und Wiesen, wo Popkultur auf Politik trifft, Humor zur poetischen Geste wird und gesellschaftliche Wirklichkeit für einen Moment aus ihrer gewohnten Ordnung gerät.

Vom 2. bis 5. September 2026 heißt es dann: Das CRINGE FEST ist zurück in der Stadt! Das von bauSTELLE3000 kuratierte Festival führt den Gedanken der Ausstellung konsequent fort, bildet den performativen Höhepunkt und verwandelt das Gärtnerhaus sowie den Weimarhallenpark in eine Bühne für Performance, Konzert, Theater und künstlerische Intervention.


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  1. Pressemitteilung

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