Irene Pätzug – Künstler in Residenz


Residenzstart 12.12.2018 / Dauer 12.12. – 19.01.2019 / Ort Eigenheim Weimar, Asbachstraße 1, 99423 Weimar

Irene Pätzug ist 2018/2019 Künstlerin in Residenz im Gärtnerhaus des Weimarhallenparks in Weimar! Seit einem gemeinsamen Frankreichaufenthalt zum BauhausLab Marseille im Jahr 2009 ist die in Berlin ansässige freie Künstlerin und der künstlerische Leiter der Galerie, Konstantin Bayer, im ständigen Kontakt. Ob in Weimar oder Berlin – mit Ihren Arbeiten war Irene Pätzug bei verschiedenen Ausstellungen von EIGENHEIM beteiligt. Die Galerie freut sich deshalb um so mehr diese Zusammenarbeit zu vertiefen und Irene Pätzug über den Jahreswechsel in Weimar zu Gast zu haben.

Die Arbeiten der Künstlerin lassen sich als Experimente begreifen. Experimente, in denen sie mit einem meist sehr minimalen Set an Materialien innerhalb eines abgesteckten Rahmens über die Verfremdung vertrauter Gegenstände und Formate den Raum auslotet und über Formen der Mimikry oder der Maßstabsveränderung explizit auf unser Wahrnehmungsbewusstsein abzielt. War es zu Beginn von Pätzugs künstlerischer Praxis noch ganz wortwörtlich Spielzeug, das die Künstlerin verfremdete und so ihrer Vertrautheit entrückte, haben heute zunehmend ausgefeilte, technische Spielereien und Selbstversuche Einzug in ihre Arbeiten erhalten.

Bei der im Rahmen eines deutsch-japanischen Austauschprojekts realisierten Arbeit Ingo (2009) wurde beispielsweise ein auf vier rotierenden Bandschleifmaschinen stehender, europäischer Standardtisch durch den Druck seines Eigengewichts im Laufe einiger Stunden in seiner Höhe den japanischen Essgewohnheiten angepasst. Derartige Transformationsprozesse spielen auch in Pätzugs seit 2009 fortlaufenden Serien von Apparatezeichnungen eine zentrale Rolle: hier wird innerhalb eines festgelegten Rahmens durch die die ferromagnetische Eigenschaft des Pigmentes über die unter dem Blatt befestigten, zunächst festgestellten und im zweiten Zeichenzyklus dann frei rotierenden Motoren Bewegung in Zeichnung transferiert. In ihrer daraus hervorgehenden Arbeit Stück für 2 Werkstatthocker, behindern sich zwei mit einem Stab verbundene  motorisierte Hocker auf Rollen konstant in ihren Eigenbewegungen, so dass sie stärker noch als in den Zeichnungen ihre hieraus hervorgehende, nicht steuerbare Eigendynamik selbst ins Blickfeld rücken. So scheinen die konstruktiven Momente in Pätzugs Arbeiten häufig nah an der Kippe zum Dekonstruktiven, zum Behindern und Versperren zu stehen, doch überwiegt stets das Moment des Austestens, wodurch sie eine Leichtigkeit bewahren und für den Betrachter ganz unmittelbar in ihrem Produktionsverfahren begreifbar werden. (von Fiona McGovern)

Diese Motivationen spielen auch eine große Rolle in ihrer Arbeit innerhalb des Künstlerduos Pätzug / Hertweck, welches seit 2012 gemeinsam an großformatigen Installationen, die sich unter Verwendung kinetischer Elemente mit dem Medium Raum auseinandersetzen, arbeitet. In der Kolloboration  hinterfragen die beiden Künstler die Beziehung zwischen Raum und Mensch, stellen Wahrnehmungsmuster auf den Prüfstand und konfrontieren Betrachter und Ort mit ihren Grenzen.

Irene Pätzug lebt und arbeitet in Berlin. Das Studium der Bildhauerei absolvierte Irene Pätzug an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Inge Mahn und Berndt Wilde. 2009 wurde sie zur Meisterschülerin von Martin Honert an der Hochschule für Bildende Künste Dresden ernannt. Mit einem Stipendium des OFAJ war sie 2004 an der École Supérieure des Beaux-Arts de Marseille und als Stipendiatin des DAAD 2009 in Istanbul. 2012 folgte die Gründung des Künstlerduos Pätzug / Hertweck und mit diesem 2014 nochmalig ein DAAD-Stipendium in Bilbao. Ihre Arbeiten waren auf Ausstellungen und Festivals in Institutionen der bildenden und darstellende Künste zu sehen, wie z. B. im Centraltheater Leipzig; im Ballhaus Ost Berlin; in der Städtische Galerie für Gegenwartskunst Dresden; in der Mongolian National Modern Art Gallery-Ulaanbaatar; im Europäisches Zentrum der Künste Dresden-HELLERAU; in der Friche la Belle de Mai, Marseille; im DA Kunsthaus Gravenhorst, bei der SkulpturenTriennale Bingen; in der Site Gallery, Sheffield, bei springhouse Dresden, im Centre of Contemporary Art Torún und in der Galerie Eigenheim Weimar/Berlin. Seit 2017 arbeitet Irene Pätzug auch als Bühnenbildnerin für zeitgenössische Tanzgruppen, wie „Antje Pfundter in Gesellschaft“ und „Constanza Macras - Dorkypark“.