Schlacke Hacken – Christoph Blankenburg in Solo


Vernissage
22.01.2021 ab 19 Uhr (online) / Dauer 22.01. – 27.02.2021 / Ort EIGENHEIM Berlin, Kantstraße 28, 10623 Berlin / Öffnungszeiten nach Vereinbarung bzw. online

Schlacke ist ein in der Stahlerzeugung anfallendes Nebenprodukt, ursprünglich in der Beschaffenheit ähnlich vulkanischem Gestein. Der Schlackehaken wiederum ist das Werkzeug mit dem der Metallschmelzer dieses Nebenprodukt aus dem Hochofen zieht. Der Titel der Ausstellung kann dahingehend als verbindendes Element zwischen Natur und Mensch bzw. Industrie und Handwerk verstanden werden – denn genau hier ist das Werk von Christoph Blankenburg zu verorten.

Christoph Blankenburg brennt Emailletafeln zu farbintensiven abstrahierten Landschaftsbildern oder Emailleobjekte deren Formen aus der Natur oder dem Industriealltag entlehnt sind, er erforscht das ländliche Idyll und macht sich dieses in seinen Videoarbeiten als Bühne urbar, er zeichnet ungehemmt und kraftvoll, mutig ohne Ansatz von Manierismus, er performt körperlich offenbarend oft im direkten Dialog mit Menschen oder örtlichen Begebenheiten, seine Fotografien sind Experimente mit physikalischen Gesetzen des Lichtes oder aufmerksame Naturbeobachtungen. Blankenburg versteht sich als Wissenschaftler der sich seine Legitimation zur Forschung aus der Freiheit der Kunst holt. Auf diese Weise macht uns der Künstler glaubhaft die Schwerkraft zu missachten und andere Naturgesetze aushebeln zu können. Auf der Suche nach Kippmomenten bricht er Gewohnheiten auf, entwickelt kryptische Handlungsstränge mit dem Ziel die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Als eine Art Transmitter hat er dabei die Fähigkeit etwas aus dem Off an die Oberfläche zu befördern und ins Absurde gehende Situationen zu erschaffen.

Vielseitig das Werk – in seinen genialistisch-authentischen Auswüchsen kaum zu greifen – ist es einer Offenbarung ähnlich sich mit dem Künstler in den Dialog zu begeben. Ein gesamtheitliches Bild mit Querverweisen und inhaltlich-formalen Überlappungen entsteht. So können zum Beispiel viele der Emailletafeln und Zeichnungen als Bühnenbildentwürfe verstanden werden, welche in enger Beziehung zu den Bewegungsmustern seiner Video- und Performancearbeiten stehen. In diesen wiederum erforscht Blankenburg die Potenziale landschaftlicher und zivilisatorischer Begebenheiten ob Wald oder Viadukt, als eben diese Bühne und entwickelt dabei eigene mythologische Lebewesen, wie den Moorbär, oder bettet zufällige Begegnungen mit Menschen als Protagonisten in die Handlung ein. Die verschiedenen Versatzstücke aus künstlerischer Interaktion, Intervention und Performance werden dabei, wie bei den experimentellen Dokumentarfilmen Rennsteigflimmern 1 bis 3, in ein künstlerisch abstraktes Gefüge integriert.

In der Ausstellung bei EIGENHEIM Berlin (Salon) wird die künstlerische Arbeit von Christoph Blankenburg einem Schaudepot ähnlich erlebbar gemacht. Der Geruch von Harz, die großen Emailiearbeiten, die Fotografien und Zeichnungen werden, auf Lagerregalen genauso gezeigt, wie die Video- und Objektarbeiten.