ME[ ]R - Michal Schmidt in Solo

Eröffnung 24.06.2016

Dauer 24.06. – 22.07.2016 

Extra 22.07. ab 19 Uhr Künstlergespräch zur Finissage

Boote sind Fortbewegungsmittel, bieten Schutz vor entfesselten Naturgewalten und erschließen Lebensräume, Nahrung und Ressourcen. Doch ihre Bedeutung reduziert sich nicht nur auf Bewegung im pragmatisch physischen Sinn, sondern steht auch für geistige Mobilität und Veränderung. In den fundamentalen Schriften der großen Religionen, wie in unzähligen Schöpfungsmythen verschiedener Naturvölker spielen Boote eine zentrale Rolle, sind Symbol für Anfang, Ende und steten Wandel. Sie sind verbindendes Element der Gegensätze von Heimat und Fremde, sind nicht nur Fracht- sondern auch essentielle Hoffnungsträger, ermöglichen Rettung, Flucht und Migration, bedeuten Angst und die Möglichkeit, Schiffbruch zu erleiden und zu scheitern.

Michal Schmidt erkennt in den erschütternden Bildern anonymer Flüchtlingsdramen alte mythologische Muster und verleiht diesen einen aktuellen Fokus. Darüber hinaus bedeutet die Ausstellung ME[ ]R für den Künstler eine autobiographische Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und einer damit verbundenen persönlichen Schöpfungsgeschichte.

Charakteristisch, auch für Michal Schmidts neue Arbeiten, sind narrative Momente  – mal persönlich, häufig skurril, oft politisch motiviert, aber selten aufklärerisch. Es geht um das Erkennen und Entlarven menschlicher Handlungsmuster- um Macht, Versuchung, Konsum, Lust, Verlust, aber auch Angst, um individuelle Erkenntnisprozesse und sozialdynamische Energien. Die gestalterischen Mittel sind nicht auf ein Medium reduziert, sondern vielgestalt, je nach Idee und künstlerischer Intention. Die zwei- und dreidimensionalen Werke zeigen sich als  populärkulturelle, oft kulturgeschichtliche Zitate und Vermengungen  und schaffen vielseitige Versuchsanordnungen und Zeugnisse verschiedener Befindlichkeiten.