Malerei und Zeichnung von Lars Wild und Thomas Liffert


Wo Kinder ihre Hölen bau´n


Eröffnung 08.12.2018 ab 19 Uhr / Dauer 09.12. – 18.01.2019 / Ort Eigenheim Weimar


Lars Wild und Thomas Liffert haben Ihren Lebensmittelpunkt in Gotha, beide verbindet eine langjährige Freundschaft und die Leidenschaft für die figurative Malerei. Seit 2008 stellen beide regelmäsig bei EIGENHEIM Weimar/Berlin aus. Wir freuen uns sehr am Ende des Jahres diesen beiden Talenten eine gemeinsame Ausstellung im Gärtnerhaus des Weimarhallenparks einzurichten.

Lars Wild ist ein Bildmagier – seine Werke, vor allem Porträts, Wolken- und Brachlandschaften, sind Augen- und Mundöffner. Bei den eindrucksvollen Nachtstücken erschließen sich weitere rätselhafte Objekte wie tote Autos, verschattete Nischen oder finstere Gestalten erst bei näherem Hinsehen. Trotzdem sind es keine Such- oder Wimmelbilder. Alle seine Gemälde und Zeichnungen sind im Wesentlichen nach seiner kraftvollen Imagination geschaffen, ganz ohne Fotovorlage. Das zeigt sein hohes bildnerisches Geschick, welches er sich in jahrelangem Selbststudium angeeignet hat.
Auch als Kolorist überzeugt er. Seine Licht-Schatten-Spiele sind atemberaubend. Seine Bilder sind sehr ausdrucksstark – das ist wohl das Beste, was man von Bildern sagen kann. Sie sind also nicht nur gut gemalt sondern gehorchen einer ausgeklügelten Dramaturgie. Dabei erscheinen sie geradeaus, unverkrampft. In seinen Porträts entdeckt man einen Hang zu Humor und Ironie, zum Grotesken und Absurden. Man fühlt sich erinnert an Gnome von Füssli oder die überspitzten Porträts von Manfred Deix, aber es handelt sich um keinerlei epigonales Gebaren. Handhabung der Asymmetrie und Überzeichnung menschlicher Physiognomie haben einen ganz eigentümlichen, sprachlich schwer zu fassenden und gleichzeitig den Betrachter fesselnden Charakter. Wild gelingt es, dem Betrachter starke innere Bilder sichtbar zu machen und damit erfüllt er eine alte romantische Sehnsucht, nämlich Landschaften und Gestalten in kraftvolle Ausdrucksmittel eigener Seelenzustände von allgemeinem Interesse zu verwandeln. In seine nächtlichen Landschaften kann man getrost Kinder oder kleine Schattenwesen hineinsehen, die ihre Höhlen bauen, wobei man nicht weiß, ob es noch ein Zuhause gibt, in das sie sich nicht trauen zurückzukehren. Lars Wild ist 1981 in Gotha geboren, studierte an der Bauhaus-Universität Freie Kunst und ist seit 2007 Künstler von EIGENHEIM Weimar/Berlin.

Thomas Liffert steht in mindestens zweifacher Hinsicht außerhalb des etablierten Kunstbetriebes. Einerseits ist er Autodidakt. Andererseits folgt er unbeirrt seinen romantischen und etwas angestaubt wirkenden Ideen, womit er sich dem zeitgenössischen Trend zur gefälligen Illustration einerseits, und der kalten Abstraktion verkopfter Installationen mit aktuell zeitgeistigem Bezug andererseits, die Gefolgschaft subtil verweigert. Kunst mit agitatorischer Absicht, mit klarer politischer Botschaft, ist seine Sache nicht. Ihm geht es um die untergründigen Strömungen, subtile Andeutungen. Er beharrt auf dem feinen Unterschied zwischen mysteriösen Szenarios und esoterischem Kitsch. Der Übergang zwischen Beidem mag fließend sein, Liffert steht nicht in der Gefahr, in Letzteres abzugleiten. Dabei orientiert er sich an künstlerischen Vorbildern der Neuen Leipziger Schule und beschreitet klar die Pfade des Figürlichen. Seinen Arbeiten wohnt ein gewisser Konservativismus, eine auf dem Figürlichen beharrende Haltung inne. Wie kann er dem möglichen Verdikt des Reaktionären vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Konflikte entgehen? Und wie dem fehlenden Engagements in Zeiten, wo solches vonnöten ist? Lifferts Romantik ist aber ein klarer Gegenentwurf zum national-pathetischen Kitsch, der sich romantischer Versatzstücke bedient. Liffert zeigt auf, wie eine Romantik – ja sogar eine solche, welche klare Bezüge zu seiner Thüringer Heimat aufweist - möglich ist, die frei ist von Tümelei und reaktionären Suggestionen, frei von schwülstiger Heimatverklärung. Die die Abgründe erahnen lässt, welche in der Thüringer Provinz schlummern, aus der er kommt und in der er nach wie vor an den Wochenenden in seinem kleinen Studio künstlerisch verarbeitet, was er in der Woche auf längeren Pendlerfahrten sowohl an menschlichen als auch landschaftlichen Begegnungen hat. Diese Assoziation zum regelmäßigen Zugfahren hat zur Titelfindung beigetragen, denn in F.J.
Degenhardts Lied „Rumpelstilzchen“ heißt es: „...am Bahndamm, wo der Zug verkehrt, der von Schilda nach Schlaraffia fährt, wo Kinder ihre Höhlen bau‘n, weil sie sich nicht nach Hause trau‘n...“ und hier verknüpft sich Zugromantik mit abgründigen Zuständen, denen Kinder – von Künstlern immer wieder als eine Art heimlicher Verbündeter vereinnahmt - zu entgehen trachten. Thomas Liffert wurde 1975 in Gotha geboren, studierte Chemie, Philosophie und Informatik in Jena, nimmt teil an Sommerakademien für Malerei und absolviert ein intensives Selbststudium. Thomas Liffert lebt und arbeitet in Gotha.