Anna Bittersohl – how to keep a bird without killing


Eröffnung
30.08.2019 um 19 Uhr / Dauer 30.08. – 13.10.2019 / Ort Eigenheim Berlin (Salon), Kantstr. 28, 10623 Berlin

Schon lange arbeiten Anna Bittersohl und EIGENHEIM Weimar/Berlin in verschiedenen Ausstellungsprojekten zusammen, mit dieser Soloausstellung möchten wir Anna Bittersohl nun als neue Hauskünstlerin der Galerie vorstellen. Freuen Sie sich mit uns und lassen Sie sich in die dichte, mystisch poetische malerische Welt dieser Ausnahmekünstlerin entführen. Zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen.

Anna Bittersohl führt den Betrachter in ihren oft großformatigen Ölgemälden vor teils dicht bewachsene, teils von einzelnen Figuren bevölkerte Landschaften, die ihm seinen Standpunkt im Hier und Jetzt nach und nach entziehen. Dem Auge vertraute kunsthistorische Elemente wie Horizontlinien, perspektivisch angelegte Figurenkonstellationen und florale Partien  finden plötzlich auf-, unter- und übereinander statt, motivische Grenzen verschwimmen und die Komposition erscheint in vielen Teilen fehlskaliert. Blüten so groß wie menschliche Körper, ein Kopf im Profil vor loderndem Himmel, Menschen, Tiere und Pflanzen gemorpht zu hybriden Wesen: Bittersohls Arbeiten erinnern entfernt an Collagen, wenn die Künstlerin ursprünglich angelegte Motive übermalt, nur um sie schließlich durch das nicht ganz rückstandslose Abnehmen von Farbe wieder auftauchen zulassen. Dabei geht es ihr darum, den zeitlichen Ablauf der Werkgenese stets sichtbar zu lassen. Denn ihr Interesse gilt den verschiedenen Zuständen von menschlichen Generationen und ihrer Umwelt, die sich in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, aber auch räumlich in Innen und Außen einteilen und erfassen lassen. Diese konzeptionellen Grenzen möchte die Künstlerin aufbrechen, indem sie Elemente durch Skalierung in neue Kraftverhältnisse setzt, Durchbrüche zu vorherigen Bildstadien herstellt und sich malerisch auf die Suche nach alternativen Wahrheiten begibt.

Eine statische Bestandsaufnahme eines Ist-Zustands ist für Anna Bittersohl nicht genug, da Wahrheit sich stetig wandelt und von Erfahrungen und Erinnerungen überformt wird. Die sich daraus ergebende Unmöglichkeit, jemals einen Zustand als den finalen, „richtigen“ anzusehen kontrastiert die Künstlerin mit dem menschlichen Verlangen, den eigenen Fortschritt und die technischen Möglichkeiten unserer Zeit stets als das Bestmögliche anzusehen und der Natur überzuordnen.

In How to keep a bird without killing? geht Anna Bittersohl dabei auf ein Universelles und in vielen Formen und unterschiedlichen Ausprägungen vorhandenes Prinzip ein. Wie kann etwas Kostbares bewahrt werden ohne es durch zu viel Liebe, Schutz und Aufmerksamkeit zu töten? Durch Konzentration auf etwas sehr Kleines besteht dabei eine größere Wahrscheinlichkeit das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Im übertragenen Sinne fragt die Künstlerin jedoch zeitgleich danach – Wie bewahre ich etwas Kostbares ohne dafür zu töten? Ein ähnlich weitgreifendes Prinzip, welches letztendlich Grundlage für unzählige Konflikte ist. Wieder gilt es den Blick für das Große und Ganze nicht zu verlieren und vernünftig und bedacht zu handeln.