Trugbild gleiche Wahrheit

Die Narration und Figuration der Bilder Zhao Yangs lassen in eine Welt aus Träumen eintauchen. Diese sind nicht süß, wohl eher ein Abbild des bitteren Ernstes der Welt heute, wie der Künstler sie sieht. Dabei entsteht ein mystisches, fast ungreifbares Leitbild in dem der Mensch, einem abschreckend unfertigen Tier ähnlich, im Umfeld einer Endzeitsituation gefangen zu sein scheint. Manche Bilder könnten Ausschnitte aus einem Science-Fiction-Film sein. Düster sind dabei seine Visionen, einer unterbewussten Vorahnung gleich, die, einer Eingebung ähnlich, auf Leinwand gebannt werden muss. Verschwommen unfertig wirkende Mimik, Gestik und Landschaft, bedrohlich im Raum schwebende Objekte bilden ein surreales Gesamtbild. Geheimnisvoll treffen Mensch und Tier aufeinander, verschmelzen zu Fabelwesen. Insgesamt bleibt dabei die Erzählung im Ungewissen, beschränkt sich auf Auszüge von Handlung und Gegenstand, in Verbindung mit dem Umfeld. Umgebung und Protagonist verwinden sich zu ausschnitthaften Erzählungen und lassen Freiraum für Fantasie und Interpretation, fordern jedoch im selben Moment auch viel vom Betrachter ab. Selbst gänzlich abstrakt wirkende Bilder lassen nach längerer Betrachtung einem Trugbild gleiche Wahrheiten entstehen. Womöglich der Ausdruck einer Suche nach Wahrhaftem. Ergibt sich dort am Horizont wirklich etwas Greifbares oder ist die Welt um uns ein undurchdringbares Geflecht von hässlichen Wahrheiten? Wie ein dunkles Tuch legt sich eine Ahnung von dem, was geschieht, nieder und lässt ein Ausdruck von Benommenheit und Erschlagenheit zurück.


Fast hektisch scheint Zhao Yang von seinen Eingebungen überrascht, sodass die Malweise lebendig, leidenschaftlich und aufwühlend wirkt. Der Pinselgestus ist wild und wuchtig in der Bewegung, zum Teil fein aufgetragen, zum Teil dick, fast skulptural in die Leinwand herein gearbeitet. Das Farbspektrum liegt irgendwo zwischen natürlich-realistisch, in erdiger Reduziertheit, in Verbindung mit der Folge einer atomaren Katastrophe. Grau wird zur Farbe und diese entwickelt ein Eigenleben. Dem fertigen Bild geht wohl zunächst eine Zeichnung auf der Leinwand voraus, welche dann in einen Farbraum verwandelt wird und in seiner Materialität die Bewegung deutlich macht. Formal und inhaltlich haben seine Bilder starken Bezug zur aktuellen wie historischen europäischen Malerei. Dabei sind barocke Elemente bis hin zu hier bekannten Schlüsselfiguren der Malereigeschichte erkennbar. Diese sind vermengt mit chinesischen Symbolen und machen so die Betrachtung der einzelnen Bilder zu einem Erlebnis.